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Organisches Bauen
12. Studienwoche

12. Studienwoche zum Bauimpuls Rudolf Steiners    2008


Gestaltungsfragen des Zweiten Goetheanums Das Verhältnis vom Teil zum Ganzen in der Organischen /Architektur

    Vom 27. Juli bis zum 2. August findet wieder eine Studienwoche zum Bauimpuls Rudolf Steiners in Mannheim statt.

In den Vorträgen vom 4. und 11. Juni, die Rudolf Steiner im Jahre 1908 - vor hundert Jahren -in Berlin gehalten hat, charakterisiert er die bevorstehende Kulturentwicklung mit den folgenden Worten: „Wenn die Welt wiederum spirituelles Leben erzeugen wird, dann wird alles möglich sein. Dann, werden wir es erleben, dass von allem was uns anschaut, die menschliche Seele uns entgegenleuchtet, so wie in einer mittelalterlichen Stadt in jedem Türschloß, in jedem Schlüssel der Geist sich aussprach." - 4. Juni und am 11. Juni -: „ Ebenso wird, wenn wahres geistiges Leben wieder in der Menschheit sein wird, das ganze Leben, alles, was uns äußerlich entgegentritt, uns wieder als ein Abbild der Seele erscheinen"... „Profanbauten sind nur solange Profanbauten, solange der Mensch nicht die Fähigkeit hat, in sie den Geist hineinzuprägen"... „Wenn der Mensch lernen wird, wie sich im Äußeren das Innere ausdrückt, dann wird es wiederum eine Kultur geben."

Das Innere so zu erfassen, dass es durch künstlerische Mittel sich im Baukörper auszuprägen vermag ist eine natürliche Aufgabe der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis und des geisteswissenschaftlichen Strebens.

Die beiden Goetheanumbauten sind Beispiele für das Zusammenwirken von Inhalt und Form. Insbesondere das Erste Goetheanum bietet uns anhand der erhaltenen Dokumente eine Fülle von Schulungsmöglichkeiten für die Methode des Organischen Bauens.

Anders das Zweite Goetheanum, mit ihm stehen wir vor einem Werk, das Vermächtnischarakter hat und das zugleich ein Rätsel und eine Herausforderung ist.

Die weitgehend authentisch gegebene Außenform muss im Sinne des Organischen Baugedankens so betrachtet werden, dass sie der konkrete Ausdruck eines inneren Lebens ist. Dieses innere Leben beruht auf dem Bewusstsein und den Handlungen von Menschen, die nach der Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft durch Rudolf Steiner, die Aufgabe einer Kulturerneuerung für die Gegenwart und Zukunft übernommen haben. Das richtige Empfinden der Sprache der Außenform kann uns ein Bild von der in der Gegenwart geforderten Haltung und Gesinnung geben. Ohne diese Gesinnung bleibt der Goetheanumbau eine unerfüllte Leerform, ohne reale Wirksamkeit! An dem Verständnis dieses Zusammenhangs zu arbeiten, wird Aufgabe der Studienwoche sein.

Welche Kräfte übertragen sich von der Baugestalt des Zweiten Goetheanums auf den Menschen und wie wird die Gestaltung des Zweiten Goetheanums aus diesen Kräften weiterzuführen sein? Stehen wir mit der Gestaltung des Zusammenhanges von Saal und Bühne vor einem Abschluss, oder befinden wir uns noch am Anfang eines notwendigen Gestaltungsprozesses? Wie steht es mit der Anwendung des Durchdringungsgedankens auf Saal und Bühne des Zweiten Goetheanums in der Kontinuität vom ersten zum zweiten Bau? Ist es berechtigt in der Gegenwart etwas von diesem Bau zu erwarten, was in der Zeit seines Entstehens nicht zu verwirklichen war? Kann der Holzplastik des Menschheitsrepräsentanten ein angemessener und von der Zeit geforderter Standort im architektonischen Gefüge des Zweiten Goetheanums gegeben werden? Diesen Fragen wollen wir uns übend nahem.

Grundlage unserer Arbeit wird die künstlerisch praktische Arbeit im Plastizieren und malenden Zeichnen sein. Ihr wird das Hauptgewicht zufallen neben der ausgiebigen Gelegenheit zum Gedankenaustausch und der gemeinsamen Begegnung im Gespräch.

 

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