Grundelemente des Organischen Bauens
in Mannheim Vom 29. Juli bis zum 4. August 2005 wurde in der Freien Hochschule für anthroposophische Pädagogik in
Mannheim die 9. Studienwoche zum Bauimpuls durchgeführt. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer hatte schon an vorherigen Tagungen teilgenommen. Für Einige gehört die Studienwoche zu einer immer wiederkehrenden Gelegenheit,
sich den Grundelementen des Organischen Bauens zu verbinden. Anders als bei den vergangenen Veranstaltungen, die sich zu einem Teil mit Projekten der Gegenwart beschäftigten galt diesmal die volle und ungeteilte
Aufmerksamkeit der Architektur, Plastik und Malerei des Ersten Goetheanums. Das Tagungsthema: „Grundelemente des Organischen Bauens - Das Erste Goetheanum als Schlüssel zum Verständnis des Bauimpulses Rudolf
Steiners" deutete auf die Inhalte der Tätigkeit im Tagungsgeschehen hin. Die Abendvorträge beschäftigten sich mit dem unteilbaren Zusammenhang aller Einzelheiten und Bestandteile des Ersten Goetheanums. So wurden
die Metamorphosenwege verfolgt und die Einheit von Kuppelmalerei, Architravplastik und Säulenordnungen ins Bewusstsein gerufen.Als Motiv der Architekturplastischen Übungen dienten die Throne an den Säulen
der kleinen Kuppel. Ihre kristallinen Formen führten zu einem eindrucksvollen Erleben architektonischer Kräfte und charakteristischer Formgebärden. Aufschluss über die Empfindungsrichtungen ergab sich durch
die Beobachtungen der darüber befindlichen Architravformen, Kapitale und malerischen Motive an der Decke der kleinen Kuppel. Immer wieder wurden die Phänomene durch das Mittel der vergleichenden Betrachtung ins
Bewusstsein gehoben. Auch die Gegenüberstellung mit den verschiedenen Arbeitsergebnissen führte zur Erkenntnis des individuellen Wirkens der einzelnen Formen. Die Arbeitsmethode verfolgte zunächst die Übertragung der
fotografischen Vorlagen ins flächige Helldunkel. Im nächsten Schritt wurden die Formen der Throne aus der Erinnerung ohne Vorlage plastiziert. Erst zuletzt sollte nach wiederholten Zwischenbetrachtungen das Vorbild für
eine exakte Formwiedergabe zu Hilfe genommen werden. Das Verweilen bei den verschiedenen Throngestalten durch verschiedene Arbeitsweisen führte zu einer vertieften Beziehung und einem intimeren Empfinden der
überpersönlichen Erlebnisinhalte. Eine wertvolle Unterstützung zur architektonischen Formwahrnehmung war durch eurythmische Übungen zum Architekturerleben mit Brigitte Sattler aus Heidelberg gegeben. Wie in den
vorangegangenen Jahren konnte die seminaristische Arbeit mit Alexander Schaumann zum Kräftewirken in den Kapitalformen der großen und kleinen Kuppel innerhalb der Tagung fortgesetzt werden. In einem Vortrag hatte
Alexander Schaumann die Unterschiede der beiden Kuppelräume aus dem architektonischen Formverständnis heraus in einleuchtender Weise dargestellt. Der „obligatorische" Besuch im Modellbau in Malsch
wurde wieder von allen Teilnehmern als eine fruchtbare Begegnung mit dem Urimpuls des Organischen Bauens erlebt. In einem Abschlussgespräch äußerten die Teilnehmer den Wunsch zur Fortsetzung der Arbeit an den Formen des
Ersten Goetheanums im nächsten Jahr. Ulrich Schöne |