Die Tiere bauen auf kunstvolle Weise ihre Behausungen im Einklang mit dem kosmisch-irdischen Geist der Natur. Sie sind mit ihren Tätigkeiten Teil des großen
Ganzen, das sich als umfassende Gesetzmäßigkeit ohne Einschränkung darstellt. Man sehe die Bauten der Insekten, der Vögel und verschiedener Säugetiere.
Ganz anders verhält es sich mit dem Menschen. Ihm ist
es nicht fraglos gegeben, aus innerer Übereinstimmung mit dem Naturganzen seine Wohnungen zu errichten. Seine Werke entfernen sich zunehmend von der umgebenden Natur. Das innere Wesen seiner Werke: Harmonisches und
Disharmonisches - kann zum Ausdruck gebracht werden durch die künstlerische Gestaltung der Architektur. Die durch das intuitive Denken gefundenen Formen zu den verschiedensten Tätigkeiten stellen die Werke des Menschen
in den Weltzusammenhang hinein.
Ein objektives Umgehen mit der Formensprache der Architektur führt zu einer Veranschaulichung menschlicher Handlungen und Wirkensweisen.
Man denke sich
irgendeine Gruppe von Menschen, die sich aus einer bestimmten Gesinnung heraus zu einer gemeinsamen Tätigkeit entschlossen haben, die einen Raum und Bau erfordert, der zu errichten ist. Herkömmlich betrachtet könnte
jede Art eines Gebäudes der genannten Gruppe dienen. Das Gebäude als der Leib, der eine innere Tätigkeit umschließt, könnte jedoch auch durch seine Gestalt nach innen und außen dem angepasst werden, was als Tätigkeit in
ihm leben soll. In diesem Falle würde die Architektur mit dem Inneren im Einklang sein und das Innere durch ein Äußeres zum Ausdruck kommen. Auf künstlerische Weise wäre das erfahrbar, was die innere Wirklichkeit dieses
Gebäudes ist. Es würde dadurch der Mensch in seinem Bauwerk angeschlossen an die Bildungen der Natur, in denen überall ein Inneres im Äußeren anschaubar wird.
In jeder von Menschen geschaffenen Einrichtung
können wir einen Geist und eine Seele der Einrichtung verspüren. Dieser Geist steht im Zusammenhang mit allen Verrichtungen, die in der Einrichtung stattfinden, aber auch mit den mehr oder weniger tiefen Anliegen und
Zielen der Menschen in dieser Einrichtung. Dem jeweiligen Geist und der Seele einer Räumlichkeit oder eines Bauwerkes mit dem künstlerischen Sinn gerecht zu werden ist die Aufgabe des Baukünstlers.
In der
Architektur soll der Übergang vom technisch-mechanischen Bauprinzip zum künstlerisch-organischen Baustil gefunden werden. Es werden dadurch dem künstlerischen Sinn der Menschen besondere Tatsachen und Realitätsformen
deutlich vor Augen gestellt.
Der Mensch nähert seine Bauformen den Wirkungen der organischen Gesetzmäßigkeiten an. Dieselben wirken nun wiederum neu mit dem Menschen zusammen. Sie erwecken den Sinn für das
Wahre und die geistige Notwendigkeit des menschlichen Handelns.
Im Erleben der Architektur dringen wir herunter bis in die Kräftewirkungen des physischen Leibes. In der Auseinandersetzung mit der Schwere
und den Dimensionen des Raumes begegnen wir dem Erdenwesen schlechthin. Indem wir bis an die Grenze des Lebendigen herangeführt werden, lernen wir diejenigen Kräfte kennen, die vom Physischen her unsere Existenz
begründen.
Wir kommen dahin, dasjenige zu leisten, was nicht mehr durch Bildung im herkömmlichen Sinne erreicht werden kann. Es entsteht das Gefühl für die Notwendigkeit der Unterscheidung von Wahrheit und
Lüge, von Theorie und Wirklichkeit